Die Pforte

Spiritwalk vom 08.08.2011

Tagesthema

Die Pforte - wen lasse ich eintreten

Im Blick auf unser Lebenshaus steht die Klosterpforte für unsere Haustür. Hier wird - im übertragenen Sinne – entschieden, wen ich an meinem Leben teilhaben lasse und wen nicht. Welche Dinge ich näher an mich heran lasse und in welcher Intensität dies alles geschehen soll. Die Tür zum Mitleben kann gastfreundlich geöffnet sein oder auch verschlossen bleiben.

Öffnen und Schließen sind unterschiedlich motiviert. Ist ein Mensch uns sympathisch, interessiert uns, werden wir ihm leichter öffnen, als einem anderen Menschen. Allerdings stellt sich gerade bei diesem Beispiel die Frage, ob Sympathie und Interesse allein die richtigen Schlüsselkriterien sind.

Es ist entscheidend, immer wieder neu für sich zu klären, für was das eigene Lebenshaus steht. Die Pforte motiviert, sich über die eigenen Beweggründe Klarheit zu verschaffen, sich immer wieder Zeit zu nehmen, sein Gewissen zu hinterfragen, was hilft, Täuschungen zu entlarven und Enttäuschungen zu vermeiden.

Es ist beachtlich, wie viele Türen wir täglich durchschreiten, in wie viele Lebensräume und Lebenswelten wir uns begeben. Es lohnt sich, diese Türen von Zeit zu Zeit konkreter anzuschauen. Der Tag kann mit der Haustür am Morgen beginnen und am Abend mit Internetportalen oder Fernsehkanälen enden. Nicht immer sind das Räume, die unserem Leben gut tun und dienlich sind. All dies dürfen wir an der Pforte kritisch prüfen.

Ebenso können wir in bisher fremde, unbekannte Lebensräume geführt werden, die uns neue, ungeahnte Lebensperspektiven erschließen.

Für ein gelingendes Leben ist es wichtig, sich bewusst Grenzen zu setzen. Manchem Menschen fällt es schwer „Nein.“ zu sagen. Jedoch gerade wenn es um das „Nein- sagen“ geht, leistet ein Pförtner wertvolle Dienste. Er muss bei allem sensibel zuhören und zuordnen können, sodass er Lebensräume eröffnet bzw. schützt und sich dabei seiner Verantwortung bewusst ist.

Der Pförtner hat Macht. Um sich darüber Klarheit zu verschaffen kann es sinnvoll sein, das eigene Schlüsselbund zu betrachten und dabei zu überlegen, für welchen Lebensräume die einzelnen Schlüssel stehen, wem ich damit Lebensräume erschließen oder auch verschließen kann.

Oft werden wir an eigene Grenzen geführt, fällt eine Tür ins Schloss, werden Dritte im Sinne eines Schlüsseldienstes um Vermittlung gebeten. Kritisch ist dann zu prüfen, ob ich meiner Schlüsselposition gerecht geworden bin oder nicht. Und auch aus dieser Verantwortung heraus, kann es manchmal ratsamer sein, eine Tür gar nicht erst zu öffnen…

Es ist erstaunlich, wie viele Türen wir täglich passieren. Das erfordert eine große Offenheit. Die Pforte bleibt der Ort der Unterscheidung, an dem die Motive geklärt werden. Letztendlich stellt sich mit der Frage „Für was trete ich ein?“, die Frage nach dem tieferen Sinn im eigenen Leben.

Punkta

  • Wen lasse ich eintreten? Wen nicht?
  • Für was trete ich ein – für was nicht? Welche Kriterien bewegen mich dabei?
  • Wo bin ich Pförtner mit Schlüssel? Welche Türen kann ich mit meinem Schlüssel öffnen und welchen verschließen?
  • Was muss drinnen sein? Was muss draußen bleiben?
  • Wer ist für mich Pförtner? Wer unterstützt mich bei der Unterscheidung der Geister?

Tagesmärchen

Der Schmied vor dem Höllentor

Es war einmal ein Schmied, der lebte lustig in den Tag hinein und scherte sich weder um Gott noch den Teufel. Als er aber merkte, dass er bald sterben musste, sagte er zu seinem Lehrjungen: "Wenn ich sterbe, dann gib mir einen Hammer und ein paar lange, scharfe Nägel mit in den Sarg.“ Der Lehrling tat, was ihm sein Meister aufgetragen hatte, und so wurde der Schmied begraben. Er kam an das Himmelstor und bat, in den Himmel eingelassen zu werden. Der heilige Petrus aber sagte:
„Ich kann dich in den Himmel nicht einlassen, du warst auf Erden ein zu großer Sünder. Geh weiter!“
Der Schmied wanderte weiter und gelangte vor die Hölle. Dort am Höllentor stand aber niemand, und es war verschlossen. Da nahm der Schmied seinen Hammer und pochte kräftig ans Höllentor. Das hörten die Teufel, und sie schickten einen von ihnen, der nachsehen sollte, was das für ein Lärm war. Aber als der Teufel die Tür eine Spaltbreite geöffnet hatte und hinausguckte, fasste ihn der Schmied beim Ohr und nagelte ihn daran fest. Das tat dem Teufel schrecklich weh, und er schrie deshalb fürchterlich. Da schickten die Teufel noch einen Teufel aus, um zu ergründen, weshalb der erste so ein Geschrei machte. Aber als dieser seinen Kopf hinausstreckte, fasste ihn der Schmied auch ihn am Ohr und nagelte ihn auf der anderen Seite fest. Nun schrien die beiden Teufel so laut, dass der allerhöchste Teufel sagte: "Da muss ich wohl selbst nachsehen, was dort vorgeht!“ Als er hinter der Tür hervorsah, wollte der Schmied ihn ebenfalls greifen und festnageln, aber der Teufel sprang rasch zurück und schlug die Tür zu. Dann eilte er zur Hinterpforte der Hölle, floh zum Herrgott und sagte: "Vor meiner Tür steht ein Schmied, der hat schon zwei meiner Teufel an den Ohren ans Höllentor genagelt, und es fehlte nicht viel, und er hätte auch mich festgenagelt. Den musst du in den Himmel nehmen, denn wenn ich ihn bei mir aufnehme, bin ich nicht mehr Herr der Hölle!“ Der Herrgott wollte den Schmied aber nicht in den Himmel nehmen, da sagte der Teufel: "Ich bleibe solange hier, bis du ihn zu dir in den Himmel nimmst!“
So musste der Herrgott den Schmied in den Himmel aufnehmen, denn er konnte ja den Teufel nicht gut bei sich lassen...